Trommeln und Beten im weißen Gewand

Eritreisch-Orthodoxe Messe in katholischer Gemeinde Maria Frieden

Die Augen der jungen Eritreerin Yorda leuchteten, als sie vom nächtlichen Gottesdienst erzählte. Gemeinsam mit 450 Landsleuten hatte sie von spätabends bis in die frühen Morgenstunden gebetet und gesungen. Sie hatte mit anderen ein großes Frühstück für alle in einer Sporthalle organisiert, hier ging es weiter mit Trommeln und Tanz. Die Veranstaltung fand in der katholischen Kirche Maria Frieden in Göttingen bereits zum sechsten Male statt:
„Bischof Anba Damian rief mich an- Wir müssen den Menschen einen Raum geben, um ihren Glauben zu leben“, sagte Jürgen Bömeke Vorsitzender Pfarrgemeinderat.
Den etreisch-orthodoxen- Tewehado-Gottesdienst hatte die Caritas des syrischen Roten Kreuzes mit organisiert:„ Es war gedacht als Aufklärungs- und Begegnungsfest der Flüchtlinge“, so Diakon Georg König aus Bad Arolsen. Sieben minderjährige unbegleitete Flüchtlinge hätten sich bereits in diesem Jahr nach Erhalt ihrer ablehnenden Bescheide das Leben genommen. Schon auf den Fluchtwegen werden viele traumatisiert und sind massiven Beeinträchtigungen ausgesetzt. Bei der Betreuung der Flüchtlinge sollten Kirchen und Politik intensiver zusammen arbeiten.

Pfarrer Aron Kifle aus Frankfurt leitete den Gottesdienst, zu dem viele Priester und Diakone aus ganz Deutschland angereist waren. In der Nacht wurden 10 Kinder getauft und 3 Hochzeiten geschlossen. Die Gebete und der Gesang sind voller Hingabe, die meiste Zeit wird dabei gestanden. Beim Trommeltanz am nächsten Tag wurden Bilder der Gottesmutter hochgehalten, die die orthodoxen Christen besonders verehren. „Sie leben ihren Glauben sehr intensiv“, berichtete Bömeke, der sich seit über zwei Jahren für die Treffen der orthodoxen Eritreer in der Gemeinde einsetzt. Jeden Samstag gibt es die Möglichkeit, im Pfarrheim zu beten. Vor der Betzeit gibt es das Angebot: Umgangsdeutsch lernen. „Mit der deutschen Sprache haben vor allen Dingen die jungen Männer die größten Schwierigkeiten. Die Mädchen haben es leichter, da Sie ausschließlich in Gastfamilien leben, bzw. lebten“. Yorda spricht inzwischen fast perfekt deutsch und macht bald eine Ausbildung zur Altenpflegeassistentin. Sie singt auch im neuen Chor mit, der sich ab August immer zwei Mal in der Woche zum Üben in der Gemeinde trfft. Bömeke wird unterstützt von 5 ehrenamtlichen Helfern, wäre aber dankbar, wenn es noch Verstärkung gebe. Die Veranstaltung fand er sehr gelungen, ohne den unermüdlichen Einsatz des Teams und der Unterstützung mit Lebensmitteln durch Göttinger Sponsoren, hätte es nicht so gut geklappt. „Es müssten noch viel mehr Leute sehen, was hier passiert“, meinte Bömeke.

Hintergrund

Die Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche ist eine christliche altorientalische Kirche in Eritrea. Die Kirche, die sich – auf historischen Beziehungen zur  Koptischen Kirche aufbauend – infolge der Selbständigkeit Eritreas 1993 von der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche abspaltete, hat zwei Millionen Mitglieder in Eritrea.
Sie ist erst seit 1998 eine autokephale Patriarchatskirche, und seitdem jurisdiktionell völlig eigenständig und unabhängig von ihrer Mutterkirche, der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche, von der sie in Liturgie und Lehre aber nahezu ununterscheidbar ist.

Die Eritreisch-Orthodoxe Kirche nennt sich selbst „Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo Kirche“, womit sie die Einheit der göttlichen und menschlichen Natur in der Person Jesu Christi besonders hervorhebt („Tewahedo“ bedeutet „Einheit“)

In Eritrea gehören ca. 45 % der Einwohner der Eritreisch-Orthodoxen Kirche an, genauso viele bekennen sich zum Sunnitischen Islam. Die Eritreisch-Orthodoxe Kirche hat unter zum Teil schweren Restriktionen von staatlicher Seite zu leiden.
In Deutschland leben ca. 35.000 Gläubige der eritreischen Orthodoxen Kirche. Die Kirche ist für die Flüchtlinge aus Eritrea eine zweite Heimat. 

Susanne Fricke